Wie gelingt Schule, wenn unterschiedliche Denk-, Lern- und Wahrnehmungsweisen nicht als Ausnahme, sondern als selbstverständlicher Teil des Alltags verstanden werden?
Mit dieser Frage beschäftigten sich über 80 Mitarbeitende der SBW Haus des Lernens gemeinsam mit unserem Team in der La Nave.
Der Weiterbildungstag begann mit einer gemeinsamen Schulversammlung. Ein Schüler las aus dem Comic Schattenspringer vor und eröffnete damit einen berührenden Zugang zur Lebenswelt von Menschen im Autismus-Spektrum. Eine anschliessende Wahrnehmungsübung machte erfahrbar, dass jeder Mensch die Welt auf seine eigene Weise erlebt.

Während des Vormittags öffnete die La Nave ihre Türen. Die Gäste erhielten Einblicke in den Unterricht, kamen mit Schülerinnen und Schülern ins Gespräch und konnten unsere Lernkultur unmittelbar erleben. Ein besonderes Element war das Erbsenritual: Zehn Erbsen stehen symbolisch für die eigene Energie. Wer Energie verbraucht, legt eine Erbse von der rechten in die linke Hosentasche – wer Energie gewinnt, bewegt sie zurück. Eine einfache, aber eindrückliche Methode, um die eigene Energiebalance bewusst wahrzunehmen.
Am Nachmittag sorgte François Matthey mit seiner Keynote über Neurodivergenz und ADHS für neue Perspektiven. Seine eindrückliche Aussage: «Menschen mit ADHS müssen den Rauch schon in der Nase haben, damit sie überhaupt anfangen können.» verdeutlichte auf anschauliche Weise, wie unterschiedlich Menschen Zeit, Dringlichkeit und Anforderungen erleben. In den anschliessenden Workshops wurden diese Erkenntnisse gemeinsam vertieft und auf die schulische Praxis übertragen.

Der Tag hat gezeigt, wie wertvoll der Austausch zwischen Schulen ist. Gemeinsames Lernen, unterschiedliche Perspektiven und geteilte Erfahrungen schaffen neue Ideen und stärken das Verständnis für Vielfalt. Wir freuen uns darauf, den begonnenen Dialog weiterzuführen – denn Schulen profitieren voneinander, wenn sie ihr Wissen teilen und gemeinsam neue Wege gestalten.